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Das Beste geben - einfach "Brio"!

 

Mit der Eigenschaft des „Brio“ schwärmen Südamerikaner von ihren Pferden, den Paso Peruanos. Mit einem Wort lässt sich „Brio“ nur unzureichend übersetzen. „Es ist eine Kombination aus Arbeitseifer, Ausstrahlung, Temperament und sein Bestes geben wollen“, so die Besitzerin des Reit- und Therapiezentrums Brio in Hünxe-Bruckhausen.

 

Auf der Reitanlage „Brio“ in Bruckhausen geben alle ihr Bestes: Die sechs Mitarbeiter, die sieben Schulpferde und die Reitschüler. Deshalb geht es Menschen und Pferden hier besonders gut. Linda Hegmann leitet gemeinsam mit ihrer Mutter Sabine Budde-Hegmann das Reit- und Therapiezentrum. Zu ihren Mitarbeitern zählen drei weitere Reitlehrerinnen und ein Mitarbeiter, der sich um alle landwirtschaftlichen Belange kümmert. „Das Wohl unserer Pferde liegt uns besonders am Herzen“, versichert das Team. Dass dies nicht nur leere Worte sind, zeigt ein Blick auf die Pferdehaltung. Die sieben Schulpferde, sowie die sieben Pensionspferde leben in großzügigen, weitläufigen Offenställen. Die Pferde dürfen selbst wählen, ob sie drinnen oder draußen stehen möchten oder ob sie lieber im Sand liegen möchten. Sie haben jederzeit einen Kollegen zum Fellkraulen und zum Spielen. Raufutter steht ihnen den ganzen Tag über zur Verfügung. Ihr Kraftfutter erhalten sie in Fressständern, um Futterneid  und Stress zu vermeiden. Ihre Grundbedürfnisse nach Licht, Luft, Bewegung und Artgenossen sind befriedigt. „Das ist mit ein Grund, warum unsere Pferde so ausgeglichen und ruhig sind“, ist sich Linda Hegmann sicher. Außerdem achten die Reitlehrer darauf, dass die Pferde schonend eingesetzt werden. „Mehr als dreimal täglich wird bei uns kein Pferd eingesetzt“, versichert die Trainerin C der internationalen Gangpferde Vereinigung (IGV). „Und zwischen den Einsätzen hat das Pferd auf jeden Fall eine Pause. Kein Pferd wird von uns auf dem Reitplatz von einem anderen Reiter übernommen. Wir sehen die Zeit der Vorbereitung, also das Putzen, Satteln und Trensen als für Mensch und Pferd wichtige Zeit, um sich aufeinander einzustimmen.“ Mutter und Tochter Hegmann haben mittlerweile ein geschultes Auge. Sie finden innerhalb kürzester Zeit die passenden Pferde-Reiter-Kombinationen. „Wir schauen genau hin, dass Pferd und Mensch von der Größe her, aber auch von der Mentalität her gut miteinander harmonieren. Pferd und Mensch sollen schließlich Freude mit einander haben“, betont Sabine Budde-Hegmann. Sie hat über 30 Jahre Erfahrung mit Pferden.

 

Mit Stolz verrät Linda Hegmann das Alter ihrer vierbeinigen Mitarbeiter: „Wotan ist 23, Arkona und Hella sind 21. Drei Pferde gehören noch zu den Gründungsmitgliedern der Reitschule.“ Und sie machen ihren Job nach wie vor gern. Herena ist 27 und läuft immer noch regelmäßig im Kinderunterricht und gibt bei Ausritten auch noch gerne kurzzeitig richtig Gas. Das Alter sieht man den Pferden des Hofes nicht an. Sie sind alle wohlgenährt und gepflegt. Seit ein paar Wochen ist Boris mit dabei. Der Warmblüter ist erst 4 Jahre und wird nun ganz langsam an seinen Job als Schulpferd herangeführt. Drei weitere vierbeinige Mitarbeiter fühlen sich auf dem Hof wohl. Sie lieben ihren Job und die Reitschüler lieben sie. Die drei Katzen Snoopy, Luna und Wusel sind ausgesprochen anhänglich. „Das sind echte Therapiekatzen“, lacht Linda Hegmann. „Sie springen mit Vorliebe unseren gehbehinderten Reitschülern auf den Schoß, wenn sie im Rollstuhl ankommen. Sie begleiten mich oft auf den Reitplatz und sorgen dort mit ihren Späßen für eine entspannte Atmosphäre. Die drei sind klasse und gehören einfach dazu.“

 

Das Angebot des Reit- und Therapiezentrums ist vielseitig. Es reicht vom individuellen Reitunterricht über Gruppenstunden und Volitigieren bis hin zu Reittherapie und Ausritten. Die jüngsten Reitschüler sind 4 Jahre jung, die älteste Reitschülerin ist älter als sechzig. „Erwachsene Anfänger kommen besonders gerne zu uns“, so Linda Hegmann. „Nach einer Grundausbildung kann sich jeder Reitschüler sozusagen spezialisieren und entscheiden, ob er schwerpunktmäßig ins Gelände möchte oder lieber springen, Dressurreiten oder auch Tölten.“ Auf die Grundausbildung legen Hegmanns großen Wert. An ihr führt kein Weg vorbei. Denn: „Egal, worauf ein Reiter seinen Schwerpunkt setzt, ohne einen ausbalancierten, sicheren Grundsitz geht gar nichts. Diesen Grundsitz muss jeder Reiter auf unserem Hof erwerben.“ Sabine Bude-Hegmann ist Centered-Riding Instructor. Ihre Kenntnisse fließen in jede Unterrichtstunde mit ein; vor allem bei den Sitzschulungen profitieren die Reitschüler von ihrer Zusatzqualifikation.

 

Geritten wird im Brio Reit- und Therapiezentrum in kleinen Gruppen. In der Regel sind vier Reiter gemeinsam in einer Stunde. „Wir achten darauf, dass die Teilnehmer vom Alter und Ausbildungsstand zu einander passen“, so Linda Hegmann.  Eine weitere Besonderheit des Zentrums ist die niedrige Unfallrate. „Sicherheit wird bei uns groß geschrieben“, betonen die Reitlehrerinnen. „Wir haben lediglich nur einen, höchstens zwei Stürze im Jahr. Und dabei ist – Gott sei Dank – nie etwas Ernsthaftes passiert.“ Alle Schulpferde werden regelmäßig Korrektur geritten bzw. an der Longe gearbeitet. „Wir longieren nach Schöneich“, erzählt Linda Hegmann. „So lässt sich die Muskulatur, vor allem die Rückenmuskulatur am besten erhalten.“ Am Ende eines jeden Quartals macht das Reit- und Therapiezentrum zwei Wochen Pause. In dieser Zeit stehen Reitkurse für die Mitarbeiter, sowie weitere Fortbildungen an. Auch für die Pferde ist dies eine Zeit der Fortbildung, aber auch eine Zeit der Ruhe. „Diese kleinen „Auszeiten“ brauchen Mensch und Pferd, um danach wieder ihr bestes geben zu können“, weiß Sabine Budde-Hegmann aus Erfahrung. So kann das Reit- und Therapiezentrum seinen Namen weiterhin gerecht werden: „Brio“ – sein Bestes geben.

 

Anlage: Zum Reit- und Therapiezentrum Brio gehören zwei Außenreitplätze; der Sandplatz 20 x 40 m und ein Rasenplatz 60 mal 70 m. Es gibt ein Reitzelt mit dem Durchmesser 20m und zudem einen kleinen Longierplatz. Die Pferde leben in zwei großzügigen Offenställen. In einem Offenstall stehen die sieben Schulpferde des Zentrums, im anderen Offenstall die sieben Pensionspferde, sowie zwei Jungpferde. Die Pferde kommen regelmäßig zweimal am Tag für zwei Stunden auf die Weide. Das Reiterstübchen befindet sind im Bau. Dort können Reitschüler demnächst gemütlich zusammen sitzen.

 

Angebote: Individueller Reitunterricht, jeder Reitschüler wird dort abgeholt, wo er steht. Der Unterricht wird abwechslungsreich gestaltet. Ist der Grundsitz gefestigt, kann der Schüler Spring-, Dressur-, Tölt- und Trailunterricht bekommen. Allen sicheren Reitschülern wird die Möglichkeit zu geführten Ausritten angeboten. Ein Schwerpunkt des Zentrums ist Reitunterricht für erwachsene Wiedereinsteiger.

 

Linda Hegmann ist Diplom-Heilpädagogin und seit 2005 Reitpädagogin (Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten). „Bei uns können Menschen jeden Alters das Angebot des heilpädagogischen Voltigierens und Reitens nutzen. Besonders Menschen mit Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten, Lern-, Sinnes- und Sprachbehinderungen, sowie Menschen mit leichter körperlicher oder geistiger Behinderung profitieren von dieser Therapie. Eine Besonderheit bei uns ist, dass teilweise Menschen aus dem heilpädagogischen Bereich nach entsprechender Förderung in den Reitschulbetrieb integriert werden können. Dadurch findet bei uns integrativer Reitunterricht statt.

 

Petra Herrmann im Magazin "Freizeit Reiter" (September 2009)

 

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